Nun ruhen alle Wälder

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Nun ruhen alle Wälder

 

1. Strophe

Nun ruhen alle Wälder,

Vieh, Menschen, Städt’ und Felder,

es schläft die ganze Welt;

Ihr aber, meine Sinnen, auf, auf,

ihr sollt beginnen, was eurem Schöpfer wohlgefällt.

 

2. Strophe

Wo bist du, Sonne, blieben?

Die Nacht hat dich vertrieben,

die Nacht, des Tages Feind.

Fahr hin, ein andre Sonne,

mein Jesus, meine Wonne,

gar hell in meinem Herzen scheint.

 

3. Strophe

Der Tag ist nun vergangen,

die güldnen Sternlein prangen

am blauen Himmelssaal;

also werd ich auch stehen,

wenn mich wird heißen gehen

mein Gott aus diesem Jammertal.

 

4. Strophe

Der Leib eilt nun zur Ruhe,

legt ab das Kleid und Schuhe,

das Bild der Sterblichkeit;

die zieh ich aus, dagegen

wird Christus mir anlegen

den Rock der Ehr und Herrlichkeit.

 

5. Strophe

Das Haupt, die Füß und Hände

sind froh, dass nun zum Ende

die Arbeit kommen sei.

Herz, freu dich, du sollst werden

vom Elend dieser Erden

und von der Sünden Arbeit frei.

 

6. Strophe

Nun geht, ihr matten Glieder,

geht hin und legt euch nieder,

der Betten ihr begehrt.

Es kommen Stund und Zeiten,

da man euch wird bereiten

zur Ruh ein Bettlein in der Erd.

 

7. Strophe

Mein Augen stehn verdrossen,

im Nu sind sie geschlossen.

Wo bleibt dann Leib und Seel?

Nimm sie zu deinen Gnaden,

sei gut für allen Schaden,

du Aug und Wächter Israel’.

 

8. Strophe

Breit aus die Flügel beide,

o Jesu, meine Freude,

und nimm dein Küchlein ein!

Will Satan mich verschlingen, 

so lass die Englein singen:

Dies Kind soll unverletzet sein.

 

9. Strophe

Auch euch, ihr meine Lieben,

soll heute nicht betrüben

kein Unfall noch Gefahr.

Gott lass euch selig schlafen,

stell euch die güldnen Waffen

ums Bett und seiner Engel Schar.

 

 

Klassisches Kinderlied / Deutsches Volkslied

Nun ruhen alle Wälder

16. Jahrhundert

Text: Paul Gerhardt 1607 -1676

Musik: nach „Innsbruch, ich muss dich lassen“